Zürich – Kabul: Liebe auf Distanz

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Monica Camuglias neuer Roman „PERLEN der Maria Magdalena“ ist eine – fast unmögliche – Liebesgeschichte vor dem Hintergrund topaktueller politischer Ereignisse in Afghanistan.

Buchrezension, Martina Gyger, Feldmeilen, Juni 2011

Sie leben in vollkommen verschiedenen Welten – geografisch, kulturell und gesellschaftlich. Julia Natale, 41, Expertin für Mikrofinanzierung bei einer Zürcher Groβbank, intelligent, erfolgreich, dynamisch, aber ohne feste Bindung. Und Stanley McChrystal, ein in Afghanistan stationierter hochrangiger amerikanischer Militär, im Rampenlicht des Kriegsgeschehens in Afghanistan, berühmt und berüchtigt zugleich. Sie begegnen sich zufällig in einem Chat-Programm. Ihre Berührungspunkte: das Land Afghanistan, ihre Seele, ihre Herzen. Beide „tough“ in ihrem jeweiligen Gebiet, sind sie trotz allem emotional ausgehungert, Suchende. Aus einem Internet-Austausch wird ein Flirt. Innere Kämpfe ausfechtend, ob er tatsächlich der ist, der er zu sein vorgibt, oder ob sie einem Betrüger aufgesessen ist, entbrennen in ihr gegensätzliche und leidenschaftliche Gefühle. Für Stan verkörpert Julia die Maria Magdalena aus der Bibel, welche ihre Weiblichkeit gab und nichts verlangte. Sie ist eine seelische Bereicherung für ihn, mitsamt ihren Tränen, „Perlen“, die sie aus innerer Zerrissenheit weint. Letztendlich will Julia mehr als eine virtuelle Romanze, sie ist bereit, sich ganz und gar einzulassen. Allen Warnungen von ihr nahe stehenden Menschen – ihrem freakigen Bruder Nick, ihrer besten Freundin Stella und Stan selbst – zum Trotz arrangiert sie eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht. In Taormina, einem idyllischen Ort in Sizilien, wo sich Berühmtheiten aus aller Welt trafen und nach wie vor begegnen, fordert sie die „Verità“ heraus. Ob das verbindende Element zwischen ihr und Stan – die über alle Grenzen erhabene Liebe – sie rettet und sie den findet, „der sie braucht, sie will – und auch kann“?

Die innere und äussere Welt der Protagonistin Julia ist ebenso einfühlsam beschrieben wie die Menschlichkeit eines Soldaten und die ergreifende Geschichte des im Iran lebenden Afghanen Karim. Die fiktive Liebesgeschichte ist geschickt verwoben mit gut recherchierten Fakten aus der afghanischen Wirklichkeit im Jahr 2010 und spielt an authentischen Schauplätzen in Zürich, Teheran und auf Sizilien. Julias Gespräche über Macht und Unterwerfung und die Frage nach einem gerechtfertigten Krieg, die Liebe und das Leben schlechthin sind tiefschürfend und packend, die sachlichen Informationen erhellend. Die Spannung wird bis zum Schluss des Buches getragen von der prickelnden Liebesgeschichte zwischen Stan und Julia, und Camuglias leichtfüssiger Erzählstil nimmt den Leser mit bis zur letzten Seite, so dass sich auch, wer sich nichts aus Politik macht, der Afghanistan-Frage annähert. Ein dichtes, absolut lesenswertes Buch.

„PERLEN der Maria Magdalena“ ist nach „Irrtum 2012“ (erschienen 2009) der zweite Roman von Monica Camuglia. 1960 geboren und in der Nähe von Zürich aufgewachsen, studierte sie Wirtschaft und arbeitete in verschiedenen IT-Unternehmen. Seit zehn Jahren setzt sie sich intensiv mit Psychologie, Philosophie und Spiritualität auseinander. Mit 45 wurde sie Mutter; dieses einschneidende Erlebnis und die damit verknüpften Ereignisse führten sie zum Schreiben. Zusammen mit ihrer Tochter lebt sie am Zürichsee.

Buchrezension, Martina Gyger, Feldmeilen, Juni 2011

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