Categories: Allgemein, Spiritualität - Tags: Verantwortung, VerbidnlichkeitSo schnell sie ausgesprochen werden, so schnell lösen sie sich oft in Luft auf. Bei den Politikern angefangen, über die Wirtschaftsbosse und religiösen Führer bin hin zu Verliebten erleben wir tagtäglich, wie diese Worte verblassen, bevor die Tinte getrocknet ist.
Ich schreibe nicht über Politik, weil ich davon nichts verstehe. Auch über die Wirtschaft mache ich mich nicht her. Nicht weil ich davon nichts verstehe, sondern weil es mich persönlich nicht genug interessiert, um darüber zu philosophieren. Ausserdem, auch ich verdiene mein Brot dort. Das Thema, über das ich bevorzugt schreibe, ist Liebe.
Wie schnell sagen wir, “ich liebe Dich”, und in dem aktuellen Moment meinen wir das auch so – obwohl wenn man genau hinschauen würde, könnte man erkennen, dass es der Augenblick ist und die Gefühle sind, die man in diesem Augenblick wahrnehmen darf, die man liebt…. und natürlich sind wir dem Gegenüber dankbar, weil er oder sie der Auslöser für die Verzauberung ist.
Verliebtheit gibt einem einen multidimensionalen Selbstwert: Man fühlt sich den Anstrengungen des Lebens gegenüber plötzlich gewachsen, man fühlt sich schön, liebenswert und begehrenswert. Ein berauschendes Gefühl, wohl wahr. Die spannende Frage ist, warum wir uns nicht immer so fühlen, warum brauchen wir jemanden, der uns in dieser Herrlichkeit wahrnimmt, damit wir es glauben. Und selbst dann glauben wir es nicht wirklich, denn von dem Moment an, wo sich der andere weg dreht, fällt man wieder in dieselbe Grube, aus der man empor gestiegen ist – oder noch weiter hinunter. Natürlich weiss ich, dass es nicht allen so ergeht. Nur, ich kenne genug Menschen, denen es so genauso ergeht. Und zu denen und über diese möchte ich hier sprechen.
Kürzlich hat mir eine Klientin erzählt, dass ihr neuer Freund ihr die magischen Worte ins Ohr geflüstert hat, worauf sie antwortete: “Das ist schön, dann sind es jetzt mindestens Zwei.” Nicht weiter erstaunlich, dass der Verliebte etwas irritiert war. “Wer ist der Zweite,” sagte er argwöhnisch. “ICH”, lächelte sie und küsste ihn. Ich fand die Geschichte deshalb wunderschön, weil das weder bei mir noch bei meiner Klientin schon immer der Fall war. Die wahre Selbstliebe ist unabhängig von Leistungen, von Resultaten und Erfolg. Sie ist einfach. Sie stellt keine Bedingugnen, sie hat die Qualität der Mutterliebe. Das heisst nicht, dass man alles durch lassen muss, ganz im Gegenteil. Es heisst, dass man für sich sorgt, sich nicht unnötigen Risiken aussetzt und für alles achtet und liebt, was ist, was entsteht und was möglich ist – eine Bejahung zu sich im Jetzt.
Eine andere Klientin erzählte mir unter Tränen der Rührung, dass ihr Verlobter gesagt hätte, dass es seine Vision sei, sie glücklich zu machen. Einen kurzen Moment hörte ich auf zu atmen. Das ist doch der Satz von den Prinzen, diejenigen, die Dörnröschen, Schneewittchen, Aschenputtel und alle anderen Prinzessinnen erlösen. Mannomann, ein starkes Kommitment. Aber weiss dieser Typ wirklich, was er da sagt? Das sind magischen Worte, die jede Frau verzaubern, sie öffnen und verletzbar und zerbrechlich machen. Es sind aber auch die magischen Worte, die einer Frau Tor und Türen zu ihren ganzen Potentialen aufbrechen.
In alter Manier habe ich dieses Äusserung mit meinem Scheibenwischer der Vernunft und Lebenserfahrung mit einem netten Wort weggewischt. Aber das ging so einfach nicht. Sie kamen immer wieder hoch.
Es ist Vorsicht geboten, mit grossen Worten, wie diesen um sich zu werfen – oder sie all zu schnell ernst zu nehmen. Denn es sind die Taten, die auf die Worte folgen, die Realität manifestieren. Und doch, mystisch betrachtet, es sind die Worte eines Märchenprinzen, mit denen jedes Mädchen aufwächst und ganz tief drin darauf wartet, sie zu hören, wunderbar. Dafür würde sie möglicherweise alles geben, selbst ihre Seele – und der wahre Prinz würde es nie bereuen, sie geäussert zu haben. Diese Worte können einer Frau die Aura einer Königin geben, die Hände einer Liebhaberin, die Weichheit eines Engels, die Weisheit einer Mystikerin und die Stärke eines Feldherrn. Es kann das Fundament sein, auf dem die Frau in ihrem ganzen Potential zum blühen kommt in einer Dimension, die sie selbst noch nicht kennt.
Sie sind aber unter schlechten Umständen auch manipulativ. Sie öffnen Herzen, sie sabotieren den persönlichen Selbstschutz. Sie sollten nicht ausgesprochen werden, weil sie Wirkung zeigen. Sie sollten nur ausgesprochen werden, wenn ein Mann die Wirkung wirklich will, nämlich die, die MANN bewusst und von ganzem Herzen will und verantworten kann.